Die Unternehmensgeschichte des Neckermann Versandhandel

Der Jungunternehmer Joseph Neckermann erwarb 1935 das Textilkaufhaus des jüdischen Unternehmers Siegmund Ruschkewitz in Würzburg sowie dessen Niedrigpreis-Geschäft Merkur. In dieser Firma waren 130 Angestellten und 60 Außendienstmitarbeitern tätig. Die zu „arisierenden“ Firmen wurden weit unter Wert gekauft. Etwas später kaufte Joseph Neckermann noch das „arisierte“ Kaufhaus Vetter in Würzburg hinzu.
 1937 übernahm Neckermann noch ein bisher in jüdischem Besitz befindliches Unternehmens – die Wäschemanufaktur von Karl Joel, woraus sich die Wäsche- und Kleiderfabrik Neckermann entwickelte. Joels Firma war bis dahin in Deutschland der viert größte Textil-Versandhandel, für den das NSDAP Mitglied Neckermann der Familie nicht eine einzige Reichsmark zahlte, obwohl ein Kaufpreis von 2,3 Millionen Reichsmark vereinbart worden war. Joel wurde ins Exil in die Schweiz und die USA vertrieben und erst 1957 nach einem lange dauernden Klageverfahren mit 2 Millionen DM entschädigt. 1937 ging an Neckermann auch die Berliner Villa Joels über. 
Josef Neckermann versuchte danach, auch staatliche Aufträge zu erhalten. Mit dem Chef von Hertie, Georg Karg, gründete er Ende 1941 die Zentrale Lagergemeinschaft für Bekleidung. Es wurde eine Gesellschaft öffentlichen Rechts und eine Schnittstelle zwischen staatlichen und militärischen Stellen und Textilherstellern daraus. So stellte Neckermann für das Militär auch Winteruniformen im großen Stil her. 
Es gab nach dem Weltkrieg bis 1948 einen Entnazifizierungsprozess, dem sich Josef Neckermann, der nur als Mitläufer eingestuft wurde, stellen musste. Er kam mit einer Geldbuße von nur 2.000 Mark davon. Im Mai 1948 wurde das Unternehmen dann von Frankfurt am Main im nahen Oberursel verlegt. Im September 1948 wurde dann die Neckermann Textilgesellschaft KG gegründet. Hier bereitete Joseph Neckermann seinen erneuten Einstieg in das Geschäft des Versandhandels vor. Das Unternehmen startete mit nur einem kleinen Anfangskapital von weniger als einer halben Millionen DM und 107 Angestellten.
 Am 11. Juni 1951 wurde das neue Kauf- und Versandhaus aufgemacht. Im selben Jahr wurden auch in Trier, Kassel, Rosenheim, Würzburg und Hanau Verkaufsstellen eröffnet.
 Im März 1950 war bereits der erste zwölf seitige Neckermann-Katalog in einer Auflage von 100 000 Stück mit insgesamt 133 Textil-Artikeln erschienen. Schon im ersten Jahr erzielte das Versandhaus einen Umsatz von 10 Millionen DM. Der Bedarf an Konsumgütern wurde in den 1950er Jahren immer größer. Aufgrund seiner niedrigen Preise hatte Neckermann bald einen großen Stammkundenkreis aufgebaut. Die Angebotspalette wurde dann ab 1953 durch eine Reihe anderer Produkte wie Lederwaren, Lampen, Kleinmöbel, Rundfunkgeräte wesentlich erweitert. „Neckermann macht´s möglich“ wurde der Hauptslogan, der sich bis heute durchgesetzt hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *